Herausgeberschaft
IfS Frankfurt a.M.; INIFES Stadtbergen; ISF München; SOFI Göttingen (Hrsg.) (1997)

Die Reorganisation von Unternehmen hat Konjunktur. Kaum überschaubar sind die Konzepte, mit denen die Betriebe für den globalen Wettbewerb fit gemacht werden sollen. Unangefochten dominiert dabei das kurzfristige ökonomische Kalkül. Das Jahrbuch 1996 zieht eine aktuelle Zwischenbilanz der Rationalisierung und Reorganisation in den 90er Jahren. Die hinter den Modelldebatten sich vollziehende reale Entwicklung wird in ihren widersprüchlichen Verläufen und Konsequenzen nachgezeichnet. In den Beiträgen wird ein Bogen geschlagen von der globalen industriellen Restrukturierung bis zu neuen Lohnanreizsystemen. Die Autor/inn/en diskutieren den Stand und die Entwicklung der Dezentralisierungs- und Vermarktlichungstendenzen, den Stellenwert von Gruppenarbeit im zukünftigen Bild von Produktionsarbeit und neue marktorientierte Formen der Leistungspolitik. Ferner wenden sie sich den Problemen zu, die sich aus einer Übertragung neuer Unternehmenskonzepte auf Bereiche öffentlicher Dienstleistung ergeben.
Der SOFI-Beitrag "Produktionsarbeit - Bleiben die Entwicklungstrends stabil?" von Michael Schumann und Detlef Gerst befasst sich mit dem betrieblichen Rationalisierungsgeschehen in den Jahren 1993 bis 1996. Er legt den Schwerpunkt auf die in einigen Unternehmen bereits flächendeckend eingeführte und mit Rationalisierungsabsichten verbundene Gruppenarbeit. Ausgehend von eigenen empirischen Untersuchungen wird auf die Vielfalt der Umsetzungsformen von Gruppenarbeit verwiesen. Die Gestaltungsabsichten der Unternehmen lassen sich immer eindeutiger entweder einer strukturkonservativen oder einer strukturinnovativen Variante zuordnen. Die strukturinnovative Variante zielt mit den Mitteln einer konsequenten Aufgaben-/Funktionserweiterung und einer weitreichenden Gruppenselbstorganisation auf eine arbeitspolitische Alternative zur konservativen tayloristischen Arbeitsgestaltung. Selbst unter den restriktiven Startbedingungen von kurzgetakteter und anforderungsarmer Arbeit ist es möglich, mit dem Gestaltungsansatz Gruppenarbeit deutliche Verbesserungen der Arbeitssituation zu erzielen. Nachteilige Arbeitsfolgen wie die Erhöhung von Zeitdruck und Arbeitsbelastungen - in vielen Gruppenarbeitsprojekten eine Folge der Aufgabenerweiterung und der Orientierung an einer wirtschaftlichen Kurzfristperspektive - lassen sich bei konsequenter Umsetzung vermeiden.