In der Rubrik „Systemfragen“ des Deutschlandfunks sprechen Natalie Grimm, Martin Kuhlmann und Berthold Vogel über Work-Life-Balance und Ungleichheiten in der Arbeitswelt.
So betont unsere Kollegin Natalie Grimm zum einen die Vereinbarkeitsproblematik gerade bei Müttern, die oft vor der Herausforderung stehen, die Arbeitszeiten mit Betreuungspflichten zu vereinbaren. Vor dem Hintergrund ihrer Forschung zu Arbeits- und Lebensverhältnissen in verschiedenen sozialen Milieus im Rahmen des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) am Standort Göttingen zeigten ihre Befunde zum anderen, dass Menschen mit einfacheren Beschäftigungen weniger über Work-Life-Balance nachdenken. Dies sei eher Thema von Privilegierten aus der Mittelschicht, die sich in ihrem Beruf verwirklichen wollen.
Martin Kuhlmann weist auf das hohe Maß an Ungleichheit in der Arbeitswelt hin. So sei nicht nur die Bezahlung ungleich, sondern in den Betrieben gäbe es außerdem jene, die im Homeoffice arbeiten könnten und eher in der Lage seien, Arbeit und Leben zu organisieren, während andere diese Möglichkeit nicht hätten. Für Beschäftigte seien drei Aspekte von Arbeit wichtig:
- Kann ich von dem Verdienst meinen Lebensunterhalt bestreiten?
- Ist meine Arbeit sinnvoll und hat sie Bedeutung für andere?
- Habe ich Interesse an meiner Tätigkeit und macht sie mir sogar Spaß?
Dabei zeigen Untersuchungen, dass auch einfache Tätigkeiten mit Freude verbunden sein können, wenn sie sinnstiftend und für andere bedeutsam sind.
Auf den Aspekt der Individualität, auf den gesellschaftlich immer mehr Wert gelegt wird, geht schließlich Berthold Vogel ein. Die Erwartungshaltung, dass jeder etwas Besonderes leisten müsse und einzigartig sei, führt ihm zufolge zu einem Zwang zur Performance, d.h. zur Selbstdarstellung in der Arbeit: Da persönliche Leistung ein großes Gewicht habe, sei man gefordert, sich in den Vordergrund zu rücken, seine Bedeutung und Unverzichtbarkeit zu demonstrieren. Dies führe allerdings zu dem Gefühl, dass Arbeit und Leben zwei Dinge seien, die sich wechselseitig bekämpfen und „Arbeit als Übergriff auf das gute Leben“ angesehen wird.
>> Den vollständigen DLF-Beitrag vom 27.11.2025 von Katrin Kühn und Ursula Storost mit der Expertise aus dem SOFI können Sie hier nachhören: [LINK]