Veranstaltungsrückblick: „Anna oder: Was von einem Leben bleibt“ – Lesung und Autorengespräch mit Henning Sußebach und Berthold Vogel

Im Gespräch ging es zunächst um die Motivation für das Buch und das Handwerk der Recherche: Wie nähert man sich einem vergangenen Leben an? Welche Spuren bleiben, welche Lücken müssen ausgehalten werden? Sußebach machte deutlich, wie aus persönlichen Dokumenten, Fotografien, Erinnerungen und zeitgeschichtlichen Zusammenhängen das Porträt einer Frau entsteht, deren Leben zugleich weit über die eigene Familie hinausweist.
Im Mittelpunkt des Abends stand die Lebensgeschichte von Sußebachs Urgroßmutter Anna. Anhand bebilderter Episoden zeichnete Sußebach ihren Lebensweg nach und verband persönliche Erinnerungen mit größeren gesellschaftlichen Fragen: nach Rollenbildern und Gleichberechtigung, nach ländlichem Leben, familiärer Verantwortung, Einsamkeit und persönlicher Widerstandskraft.
Im Anschluss an die Lesung stellten die Gäste Fragen zu Sußebachs Recherche, zur Familiengeschichte und zu den gesellschaftlichen Bezügen des Buches. „Henning Sußebachs Buch zeigt eindrucksvoll, wie viel Gesellschaftsgeschichte in einer einzelnen Biografie steckt“, sagte Prof. Dr. Berthold Vogel. „Gerade in einer alternden und häufig vereinzelten Gesellschaft wächst das Bedürfnis nach Selbstvergewisserung: Wer waren die Menschen vor uns, und welche Erfahrungen wirken bis heute nach?“
Für die Freie Altenarbeit Göttingen e.V. knüpfte der Abend an zentrale Themen ihrer Arbeit an: Generationenbeziehungen, gesellschaftlicher Wandel sowie Einsamkeit, auch mit Blick auf ländlich geprägte Räume. Die Veranstaltung machte sichtbar, wie wichtig Orte des Austauschs sind, an denen persönliche Lebensgeschichten und gesellschaftliche Fragen miteinander ins Gespräch kommen.