Veranstaltungsbericht: Gemeinsamer Nenner. Göttinger Gespräche zum gesellschaftlichen Zusammenhalt am 17.11.2025 im Forum Wissen

Auf dem Podium saßen neben Berthold Vogel (Direktor des SOFI, Sprecher des FGZ Göttingen), der das Thema aus soziologischer Perspektive einordnete, Gabi Diedrich (Zimmerei Diedrich, 2. Vorsitzende UnternehmerFrauen im Handwerk) und Christian Frölich (MdL CDU, Handwerksmeister), die vor dem Hintergrund ihrer Expertise aus der Praxis den gesellschaftlichen Wert des Handwerks erläuterten. Der von Julia Kropf moderierte Abend fand dem Konzept der Veranstaltungsreihe folgend im partizipativen Gesprächsformat statt: Nach Impulsen des Podiums kamen die Teilnehmenden in kleinen Gesprächsrunden miteinander in den Austausch. Erfreulicherweise waren viele Vertreter:innen aus dem Handwerk vor Ort, sodass sich an den Tischgruppen Perspektiven aus der Wissenschaft, Bildung, Verwaltung und Kultur ergänzten und unmittelbar mit Erfahrungen der Fachleute diskutiert werden konnten.
Im Handwerk verdichtet sich ein wichtiges Zukunftsthema: Aus soziologischer Perspektive stellte Berthold Vogel die gesellschaftliche Bedeutung des Handwerks als Transformationsfeld heraus. Forderungen nach Energie-, Wärme- und Verkehrswende seien nicht zu erreichen, ohne die Menschen, die dies handwerklich umsetzen. Das Handwerk gebe insbesondere jungen Menschen eine Perspektive, da es Ausbildung und Teilhabe ermögliche. Die Notwendigkeit, Kindern und Jugendlichen bereits in der Schule handwerkliche Fähigkeiten zu vermitteln, zog sich als wichtige Forderung durch die Diskussion.
Handwerksbetriebe sind Orte von Zusammenhalt: Die regionale Verwurzelung spiele eine zentrale Rolle im Handwerk, das als stabiler Anker und verlässlicher Partner für z.B. Vereine fungiere und für Integration und Vielfalt stehe. Aus ihren Erfahrungen berichteten Gabi Diedrich und Christian Frölich, dass Betriebe ein zentraler Ort für Wertevermittlung seien. Auch die wichtige Funktion des Handwerks als Brückenbauer zwischen Stadt und Land sowie zwischen sozialen Schichten wurde hervorgehoben. Ein dringender Appell der Handwerker:innen: Die Gleichwertigkeit von Handwerk und Studium müsse erkannt und verstanden werden. Die Weitergabe von Wissen habe ebenfalls eine gesellschaftliche Relevanz.
Nachwuchsgewinnung und Betriebsnachfolge bleiben große Herausforderungen. Dies habe große gesellschaftliche Konsequenzen, denn mit dem Handwerk würden fundamentale Funktionen der Gesellschaft wegbrechen. Arbeit im Handwerk erfordere ein spezielles Arbeitsethos: Eine Work-Life-Balance mit flexiblen Arbeitszeiten, wie sie oft gefordert werde, sei in dieser Branche nicht realisierbar. Um die Attraktivität des Handwerks zu steigern, arbeiteten Betriebe z.B. mit einer 4-Tage-Woche und anderen Benefits.

Insgesamt kamen die Anwesenden auf den gemeinsamen Nenner, dass das Handwerk eine wichtige gesellschaftliche Rolle spielt und grundlegende Werte für die Gesellschaft vermittelt. Berthold Vogel betonte, dass die Sozialwissenschaften angewiesen seien, diese gesellschaftlichen Themen zu beleuchten und gemeinsam zu diskutieren. Der Abend habe einen Grundstein für weitere Kooperationen zwischen Wissenschaft und Handwerk gelegt.
Die Veranstaltungsreihe „Göttinger Gespräche zum Gesellschaftlichen Zusammenhalt (GGGZ)“ wird vom Göttinger Standort des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) in Kooperation mit dem Forum Wissen organisiert und durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gefördert.
