Veranstaltungsbericht: Gemeinsamer Nenner. Göttinger Gespräche zum gesellschaftlichen Zusammenhalt am 24.06.2025 im Forum Wissen

Die Frage „Welche Orte der Begegnung brauchen wir?“ stand im Zentrum des sechsten Göttinger Gesprächs zum Gesellschaftlichen Zusammenhalt (GGGZ), das am 24. Juni 2025 im Forum Wissen stattfand.

Rund 60 Gäste aus Wissenschaft, Kultur, Stadtgesellschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft diskutierten unter der Moderation von Dr. Julia Kropf über die Voraussetzungen gelingender sozialer Begegnung in Zeiten wachsender gesellschaftlicher Fragmentierung und Unsicherheit. 

Erstmals wurde im Rahmen der Reihe ein partizipatives Veranstaltungsformat erprobt, das nach kurzen Impulsen auf dem Podium in einen offenen Austausch im Publikum überging: In kleinen Gesprächsrunden kamen Teilnehmende miteinander in den Austausch, die sich zuvor nicht kannten. Das Format wurde von vielen als bereichernd erlebt, da es neue Perspektiven zusammenführte. Die Veranstaltung wurde somit selbst als „Ort der Begegnung“ erlebbar.

Rainald Manthe (Soziologe und Autor, Vorstand Stiftung Bildung) betonte die Bedeutung von Begegnung für die Demokratie: Begegnung sei zunehmend zu einer individuellen Entscheidung geworden – unter Bedingungen, in denen sich der Staat zurückziehe. Die Corona-Pandemie habe die Relevanz von Begegnungsräumen besonders deutlich gemacht. Gefragt seien daher nicht nur mehr, sondern vor allem „klügere“ Begegnungsorte, an denen man einander wahrnimmt und an denen wechselseitige Anerkennung ermöglicht wird. 

Erich Sidler (Intendant des Deutschen Theaters Göttingen) verwies auf die Notwendigkeit, auch etablierte Kulturinstitutionen wie Theater stärker zu öffnen – räumlich, inhaltlich und architektonisch. Theater müssen für die Zukunft geschaffen werden und sich durch eine besondere Offenheit und Einladungsqualität auszeichnen, um als Orte der Begegnung erlebbar zu werden

Berthold Vogel (Direktor des SOFI und Sprecher des FGZ-Göttingen), der das Konzept Sozialer Orte am SOFI maßgeblich mitentwickelt hat, unterstrich die Bedeutsamkeit Sozialer Orte als öffentliche Güter im soziologischen Sinn. Sie entstünden nicht von selbst, sondern erfordern aktives Engagement und materielle Investitionen. Wer sich für solche Orte engagiert, leistet einen Beitrag zur demokratischen Verfasstheit der Gesellschaft.

In den Gruppengesprächen wurde deutlich, dass es insbesondere an konsumfreien, barrierearmen Räumen mit Aufenthaltsqualität fehlt – etwa an Sitzgelegenheiten, Überdachungen und niedrigschwelligen Zugängen im öffentlichen Raum. Gleichzeitig wurden strukturelle Herausforderungen benannt, insbesondere mit Blick auf bürokratische Hürden: Begegnung müsse nicht nur räumlich, sondern auch institutionell ermöglicht werden.

Die Veranstaltungsreihe „Göttinger Gespräche zum Gesellschaftlichen Zusammenhalt (GGGZ)“ wird vom Göttinger Standort des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) in Kooperation mit dem Forum Wissen organisiert und durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gefördert.