Veranstaltungsrückblick: Arbeits- und Gesundheitsschutz weiterdenken – Session auf der LABOR.A 2026

Wie kann der Arbeits- und Gesundheitsschutz den Herausforderungen einer sich wandelnden Arbeitswelt gerecht werden? Dieser Frage widmete sich die von Barbara Splett und Kristin Carls (SOFI) sowie von Sabine Sommer und Matthias Dütsch (Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin) organisierte Session „Arbeits- und Gesundheitsschutz weiterdenken“ auf der LABOR.A 2026 „HUMAN“ am 15.09.2026 in Berlin, die von Peter Birke und Marliese Weißmann (SOFI) moderiert wurde.

Im Zentrum standen aktuelle Herausforderungen und Perspektiven eines Arbeits- und Gesundheitsschutzes, der den aktuellen Anforderungen und Problemlagen der Arbeitswelt gewachsen ist. Deutlich wurde: Die voranschreitende Rationalisierung, Digitalisierung, Subjektivierung, Flexibilisierung von Arbeit sowie der demografische Wandel verändern die Anforderungen an den Arbeits- und Gesundheitsschutz immer mehr. Das deutsche Arbeitsschutzsystem und die betriebliche Gesundheitsförderung orientieren sich jedoch häufig am Normalarbeitsverhältnis und setzen zu stark auf das individuelle Gesundheitsverhalten statt auf die Gestaltung der Arbeitsbedingungen. Zudem fehlt es an einer integrativen Zusammenarbeit der betrieblichen und institutionellen Akteure.

Barbara Splett und Kristin Carls betonten in ihrem Input, dass eine betriebliche sowie gesellschaftspolitische Diskursverschiebung nötig sei: Beschäftigtengesundheit solle als gesellschaftliche Verantwortung verstanden werden, statt als Frage individueller Leistungsfähigkeit. Ein wichtiger Schlüssel dazu sei die Stärkung der Handlungsfähigkeit betrieblicher Gesundheitsakteure durch bessere Kooperation und Vernetzung, auch mit betrieblichen Interessenvertretungen und Gewerkschaften. 

In der Diskussion zeigte sich ein großes Interesse an konkreten Gestaltungsansätzen für die betriebliche Praxis sowie an Potenzialen künstlicher Intelligenz für den Arbeits- und Gesundheitsschutz. Zudem wurde die Herausforderung diskutiert, zwischen arbeitsrechtlichen Schutzregulierungen und (teils individuellen) Beschäftigteninteressen einer flexiblen Arbeitsgestaltung zu vermitteln, was insbesondere die betriebliche Interessenvertretungen vor die Herausforderung stellt, gute Kompromisse für die Beschäftigten zu finden. Insgesamt unterstrich die Session die Bedeutung eines interdisziplinären Dialogs und lieferte damit wertvolle Impulse für die Weiterentwicklung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes. 

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