Veranstaltungsrückblick: FGZ-Jahreskonferenz 2026 ─ Ein neues Ungleichheitsregime? Reichtumskonzentration, soziale Spaltungen und die Zukunft des gesellschaftlichen Zusammenhalts

Die FGZ-Jahreskonferenz hat als ein Forum für den kritischen, interdisziplinären Austausch über die Zukunft des Zusammenhalts angesichts hoher Ungleichheiten auch in diesem Jahr wieder Expert:innen aus Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft zusammengebracht.
Unsere Kolleg:innen Peter Birke, Natalie Grimm, Stefan Rüb und Berthold Vogel waren an Sessions und Podiumsdiskussionen beteiligt:
Privater Reichtum, öffentliche Armut? Was bedeutet es für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, wenn privates Vermögen wächst, während öffentliche Infrastrukturen zunehmend unter Druck geraten? Darüber diskutierten Berthold Vogel (Sprecher des FGZ-Standorts Göttingen), Bernhard Emunds (Katholische Hochschule Sankt Georgen) und Miriam Rehm (Universität Duisburg-Essen) in der von Kathrin Leipold (FGZ-Standort Konstanz) moderierten Session „Privater und kollektiver Reichtum: Öffentliche Güter, Steuerstaat und die Architektur des Zusammenhalts“ am 16.09.2026.
Öffentliche Güter wie Schulen, Krankenhäuser, Verkehrsnetze oder soziale Sicherungssysteme ermöglichen Teilhabe, schaffen soziale Sicherheit und kommen allen zugute. Was passiert, wenn öffentliche Handlungsspielräume kleiner werden oder öffentliche Aufgaben zunehmend von privaten Finanzierungen abhängig sind? Was passiert, wenn sich privates Vermögen zunehmend konzentriert?
Zum Abschluss des ersten Konferenztages fand die öffentliche Podiumsdiskussion: „Was tun gegen Ungleichheit? – Perspektiven für gesellschaftlichen Zusammenhalt“ mit Verena Bentele (Sozialverband VdK), Dierk Hirschel (ver.di), Johanna Kraft (taxmenow) und Axel Salheiser (FGZ-Standort Jena) statt, die unter der Moderation von Natalie Grimm (FGZ-Standort Göttingen) und Kathrin Leipold (FGZ-Standort Konstanz) über zentrale Konfliktlinien der Ungleichheitsdebatte sprachen. Unterschiedliche Perspektiven aus Sozialverbänden, Gewerkschaften, Zivilgesellschaft und Wissenschaft kamen auf dem Podium zusammen und verhandelten Fragen, wie ein Sozialstaat, gute Erwerbsarbeit und eine gerechtere Steuer- und Vermögenspolitik dazu beitragen können, Ungleichheiten zu begrenzen und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken. So entscheide ökonomische Ungleichheit mit darüber, welche Lebenschancen Menschen haben, wie sie gesellschaftlich und politisch teilhaben können und welches Vertrauen sie in demokratische Institutionen entwickeln.
In der von Stefan Rüb (FGZ-Standort Göttingen) geleiteten Session „Ungleichheit, Demokratie und Zusammenhalt in der Arbeitswelt“ am 17.09.2026 stand die Frage im Mittelpunkt, wie sich Macht und Ungleichheit in der Arbeitswelt durch Finanzialisierung und Eigentumskonzentration entlang globaler Wertschöpfungsketten sowie konkreter Branchen verändern. Peter Birke (SOFI) richtete mit seinem Beitrag zur Fleischindustrie den Blick darauf, wie Reichtum und Armut in Arbeits- und Produktionsverhältnissen hervorgebracht werden. Weitere Perspektiven brachten Hendrik Simon (FGZ-Standort Frankfurt) zu Wertschöpfungsketten als Katalysatoren von Ungleichheit, Priska Daphi und Pál Susanszky (FGZ-Standort Bielefeld) zu Protesten rund um Arbeit und Transformation sowie Thomas Fischer (Deutscher Gewerkschaftsbund) mit einer gewerkschaftlichen Betrachtung auf soziale Ungleichheiten, Demokratie und Zusammenhalt ein.
Darüber hinaus wurde diskutiert, welche Rolle Proteste, Gewerkschaften und betriebliche Mitbestimmung haben, und wie sich Solidarität und demokratische Gestaltungsmöglichkeiten in einer marktzentrierten Wirtschaft stärken lassen.
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