Veranstaltungsrückblick: „Gipfel gegen Ungleichheit … Praxis meets Wissenschaft“ 2026 in Berlin

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Am 30.09. und 01.10.2026 fand in Berlin der „Gipfel gegen Ungleichheit“ mit Natalie Grimm und Andreas David Schmidt statt.

Die Veranstaltung zielte gleichermaßen auf die Partizipation und demokratische Teilhabe von armen Menschen sowie auf den Dialog mit dem politischen Raum, der Wissenschaft und der Öffentlichkeit. Natalie Grimm und Andreas David Schmidt sprachen dort zu (Un-)Gleichzeitigkeiten von multiplen Marginalisierungserfahrungen und gesellschaftlichem Zusammenhalt.

Bei der Veranstaltung kamen Menschen mit Armutserfahrung mit Aktiven aus Politik, aus Wohlfahrtsverbänden und aus der Wissenschaft in der Heilig-Kreuz-Kirche in Berlin Kreuzberg zusammen. Den Grundgedanken von Partizipation und demokratischer Teilhabe folgend fand die Konzeption der angebotenen Workshops unter der Leitung von Menschen mit Armutserfahrung und kollaborativ mit Wissenschaftler:innen sowie Aktiven aus zivilgesellschaftlichen Organisationen oder sozialen Einrichtungen statt. So auch bei dem Workshop „Anders über Armut sprechen? – das ist (d)eine Entscheidung“, an dem Natalie Grimm und Andreas David Schmidt mitwirkten. In diesem Rahmen brachten sie aktuelle Befunde aus dem FGZ-Projekt Qualitatives Panel zu Marginalisierungserfahrungen und gesellschaftlichem Zusammenhalt ein.

Aus der Panelstudie geht u. a. hervor, dass viele Menschen mit Marginalisierungserfahrungen ein starker Wunsch verbindet: ein respektiertes, anerkanntes Mitglied der Gesellschaft zu sein. Die Befunde zeigen, dass ihre unterschiedlichen Reaktionsweisen auf Marginalisierung sich als sozialstrukturell mitbestimmte Strategien der Respektabilitätswahrung lesen lassen – als Versuche, unter ungleichen Bedingungen Zugehörigkeit und Würde zu sichern. Ein Fazit lautete: „Wenn wir über Armut und Marginalisierung sprechen, sollten wir deshalb nicht nur fragen: Warum verhält sich jemand so? Sondern auch: Unter welchen strukturellen Bedingungen muss jemand sein Leben führen – und welche Möglichkeiten, anerkannt dazuzugehören, stehen überhaupt zur Verfügung?“ 

Im Workshop wurden neben weiteren Forschungsbefunden aus einer anderen Studie zum kollektivierenden Potenzial von Social Postings am Beispiel des Hashtags #IchBinArmutsbetroffen auch Perspektiven aus der Systemischen Beratung vorgestellt. Vor allem gelang es jedoch, die vielfältigen Erfahrungen und Expertisen von Menschen mit Armutserfahrungen ins Zentrum des fachlichen Dialogs zu stellen und herauszuarbeiten, dass ein Sprechen über Armut stets Gegenstand fortwährender, kritischer Reflexion sein sollte.

Das Programm bot abseits der inhaltlichen Fachveranstaltungen neben prominenten literarischen und publizistischen Beiträgen mit dem Legislativen Theater Berlin auch eine beeindruckende Theaterperformance. Darin wurden reale Erfahrungen von Marginalisierung, Diskriminierung und Ausgrenzung von armutsbetroffenen Menschen selbst auf die Bühne gebracht. In das interaktive Theater wurden drei Mitglieder des Deutschen Bundestages unterschiedlicher Parteien einbezogen, um Stellung zu den im Zuge der Performance vorgetragenen Forderungen nach legislativen Veränderungen zu beziehen.

Veranstaltet wurde der Armutsgipfel von der Nationalen Armutskonferenz, der Diakonie Deutschland und dem Paritätischen Gesamtverband. Die Nationale Armutskonferenz ist ein selbstorganisierter Zusammenschluss von Menschen mit Armutserfahrung. Ihr Treffen fand dieses Jahr in Verbindung mit der Konferenz statt.

  • Weitere Informationen zum Veranstaltungsprogramm finden Sie hier: [LINK]
  • Zum Medienbericht des RBB über den „Gipfel gegen Ungleichheit“ vom 30.09.2026: [LINK]