Betriebliches Eingliederungsmanagement. Betriebliche Gestaltungsbedingungen und Wirkungen externer, aufsuchender BEM-Beratung.

Authors: Carls, Kristin; Splett, Barbara

In: SOFI Arbeitspapier / SOFI Working Paper, Nr. 2024-32. Göttingen: Soziologisches Forschungsinstitut Göttingen (SOFI).

https://doi.org/10.82934/g2me-p350

Obwohl Arbeitgeber bereits seit fast zwanzig Jahren dazu verpflichtet sind, langzeiterkrankten Mitarbeitern ein betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) anzubieten, ist dies insbesondere in kleinen und mittleren Unternehmen (KMUs) immer noch nicht flächendeckend umgesetzt. Das rehapro-Modellprojekt „BEM-intensiv“ der Deutschen Rentenversicherung Braunschweig-Hannover hat es sich daher zur Aufgabe gemacht, Betriebe und Beschäftigte vor Ort mit einer „aufsuchenden BEM-Beratung“ unterstützen, um nicht nur das BEM zu fördern, sondern auch die Maßnahmenvermittlung zu verbessern. Die vorliegende Studie präsentiert die Ergebnisse der am SOFI Göttingen durchgeführten -Begleitforschung, die aus einer interessens- und akteursorientierten Perspektive sowohl die betrieblichen BEM-Praktiken und ihre Umsetzungsbedingungen als auch die Wirkungen der externen BEM-Beratung untersucht hat. Die Analyse macht deutlich, dass die Chancen für ein wirksam gestaltetes BEM nicht nur durch den gerade in KMUs vorherrschenden Mangel an Ressourcen, Wissen, Kompetenzen und strukturierten Prozessen, sondern oftmals auch durch eine geringe Priorisierung von gesunden Arbeitsbedingungen durch Führungskräfte und eine wenig handlungsmächtige Position der BEM-Verantwortlichen innerhalb der betrieblichen Akteurs- und Interessenkonstellationen begrenzt werden. Dementsprechend sind BEM-Maßnahmen vorwiegend auf individuell ausgerichtete Rehabilitationsmaßnahmen fokussiert, während Veränderung der Arbeitsbedingungen deutlich seltener realisiert werden, obwohl diese mindestens ebenso bedeutsam für eine nachhaltige Wiedereingliederung sind. Vor diesem Hintergrund kann eine externe, aufsuchende Beratung besonders dann förderlich wirken, wenn es ihr im Rahmen einer „interessenbewussten Wissensvermittlung“ gelingt, die betrieblichen BEM-Akteure bei einem nachhaltigen Kompetenzaufbau zu unterstützen, als Lotse die Schnittstellen zum Hilfesystem der Sozialversicherungsträger zu schließen und BEM-Gespräche so zu moderieren, dass betriebliche Verständigungsprozesse und Interessensaushandlungen möglich werden. Wichtig ist dabei, dass die in der betrieblichen Hierarchie zumeist eher schwachen BEM-Verantwortlichen und BEM-Betroffenen gestärkt und mögliche notwendige Arbeitsveränderungen auf die Agenda gesetzt werden. Dazu bedarf es auf Seiten der Beratung nicht nur fachlicher und sozialkommunikativer Kompetenzen, sondern auch eines Verständnisses betrieblicher Prozesse, Denk- und Handlungsweisen.

Year: 2024

Publication Type: SOFI-Working Paper

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