DDR-Fahne im Jugendzimmer, Hakenkreuz auf dem Hausaufgabenheft.

Authors: Vogel, Berthold

In: bruchstücke. Blog für konstruktive Radikalität, 30.08.2026.

Zum Blogbeitrag

Das Interview wurde ebenso auf der Kulturplattform "textor" am 02.09.2026 veröffentlicht: [LINK]

Im Interview mit Jutta Roitsch in „bruchstücke - Blog für konstruktive Radikalität“ hebt Berthold Vogel gleich zu Beginn das „Haus des Volkes“ im thüringischen Probstzella als Beispiel für anhaltendes bürgerliches Engagement hervor, das im Sinne seiner Entstehung in der Weimarer Republik als Kulturzentrum und „Leuchtturm der Demokratie“ ein Sozialer Ort par exellence ist.

Dennoch müsse man erkennen, dass trotz dieses Engagements für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Demokratie auch in Probstzella ein „antidemokratisches Basisrauschen“ und eine sehr hohe Zustimmung für die AfD herrsche.

Gerade mit Blick auf die Jungwähler der AfD warnt Berthold Vogel vor der Annahme, man hätte es hier mit einer Spielart des Konservatismus zu tun. Es gehe vielmehr um eine Haltung gegen das Establishment: „Wer sich als Jugendlicher mit Hitlergruß und Hakenkreuz hervortut, wird auch in späteren Jahren nicht frei von solchen Haltungen sein. […] Wer schon als Jungwähler bei der AfD einsteigt, der oder die hat das Potential als Stammwähler die Partei in Zukunft zu tragen, entweder aktiv oder durch entsprechende Voten. Hier wächst der Nachwuchs heran und hier ist in der Jugendkultur (jenseits der Universitätsstädte) etwas ins Rutschen gekommen, das wohl nur schwer aufzuhalten ist. Insbesondere in Ostdeutschland, aber nicht nur dort, hat sich die politische Haltung, rechtsextrem zu sein, zu einer Jugendkultur verfestigt. Wer gegen das Establishment ist, der oder die ist rechtsextrem; wer die Zukunft erobern will, der oder die ist rechtsextrem. Wir dürfen hier auch nicht den Fehler machen und glauben, die Präferenz für die AfD hätte etwas mit Konservatismus zu tun. Diejenigen, die AfD wählen, wählen aus ihrer Sicht den Fortschritt. Sie sind mehr und mehr überzeugt, dass nur die AfD etwas verändern kann und Aussicht auf eine bessere Zukunft bietet. Sie sehen sich als die Fortschrittlichen gegen die „Alt-Parteien“ und „Alt-Eliten“. Und diese Haltung wird von den Jungen getragen, insbesondere von jungen Männern (aber nicht nur!) auf dem Land und in der Kleinstadt.“

Trotz der alarmierenden Stimmung, die es auch in Kreisen der Forschung gebe, plädiert Vogel als Sprecher des FGZ-Standorts Göttingen mit einem Statement für eine „ruhige Analyse im medialen Sturm“.  So sei die eigentliche Herausforderung für die Zusammenhaltsforschung und besonders jene des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) „Social Media als einem „überdrehte[n] und übersteuerte[n] Lautsprecher“ gegenzusteuern: „Nur mit Besonnenheit und mit kritischer wissenschaftlicher Distanz werden wir als Forschungsverbund einen Beitrag zur Stabilität unserer Demokratie leisten können.“

Year: 2026

Publication Type: Journalistic Contribution

About the SOFI Authors